Josanne van Westrienen LLM

unabhängige Rechtslinguistikforscherin


Sprache ist niemals neutral. Erst recht nicht im Strafrecht..

    

Ich untersuche, wie Sprache Schuld und Unschuld in Strafverfahren konstruiert, von der Bedeutung des Wortes „Ja" bis zu den Herausforderungen mehrsprachiger Rechtsanalyse. Auf dieser Seite finden Sie meinen Forschungsschwerpunkt, meinen Werdegang und die Art und Weise, wie die Arbeit in mehreren Sprachen alles prägt, was ich tue.

Über mich

Ich bin Josanne, niederländische Juristin (LLM) und Forscherin im Bereich der Rechtslinguistik. Ich habe Rechtswissenschaften an der Open Universiteit studiert sowie Germanistik mit Schwerpunkten auf historischer Sprachwissenschaft, Sprachpsychologie und Grammatik. Während meines Studiums nahm ich am virtuellen Austauschprogramm Campus Net teil und belegte Strafrecht und Bürgerliches Recht an der FernUniversität Hagen.

Ich arbeite in fünf Sprachen: Niederländisch, Englisch, Französisch, Deutsch, und Schweizerdeutsch. In meiner vergleichenden Forschung stütze ich mich außerdem auf spanische und italienische Rechtsquellen. Diese mehrsprachige Grundlage ermöglicht es mir, zu untersuchen, wie Rechtssprache über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg funktioniert - und versagt.

Mein Weg zur Rechtslinguistik war keine Kurskorrektur, er war unvermeidlich. Ich bin seit jeher fasziniert von Sprache und Strafrecht. Die Rechtslinguistik ist der Ort, an dem diese beiden Leidenschaften endlich ein gemeinsames Zuhause gefunden haben.

Ich arbeite derzeit daran, meine Forschung in einem Promotionsprojekt zu formalisieren, im Gespräch mit potenziellen Betreuern. Ich werde demnächst meine Forschung auf Konferenzen präsentieren. Neben meiner eigenen Forschung begleite ich (Jura)student·innen durch alle Phasen des akademischen Schreibprozesses, von der Planung und Literaturrecherche bis zur Strukturierung von Argumenten und dem abschließenden Schreiben. Es sind dieselben Fähigkeiten, in zwei Richtungen angewandt.

Es paar Wört uf Schwiizerdütsch

S Schwiizerdütsch isch für mich nöd nume e Dialekt, woni verstoh, s’isch e Sprooch, woni lääbe und erforsche. Mini aktuelli Forschig betrifft au d’Schwiiz. I minere Bachelorarbeit beschäftige i mich mit em Artikel 190 im Schwiizer Strafgsetz.

Wenn ich über Consent im Strafrächt forsche, chan ich nöd eifach uf Hoochtüütsch, Französisch oder Änglisch dänke, aber ich mues verstoh, wie Lüüt würklich reded, wie si “Ja” oder “Nei” säged, und was das im Kontext vo nere Verhandlig bedüütet. S Schwiizerdütsch git mir de Zuegang i d Rächtskultur, wo suscht verlore gaht.

Ich forsche uf Schwiizerdütsch, ich schriibe drüber und ich verstoh d Nuance, nöd nume linguistisch, sondern au kulturell und rächtlich.

Meine Forschung

Sprache prägt jeden Aspekt des Strafrechts - von Zeugenaussagen bis zur Zustimmung, von Übersetzungsfehlern bis zur Rechtsauslegung. Ich konzentriere mich auf Jurilinguistik im Strafrecht und untersuche, wie sprachliche Nuancen rechtliche Ergebnisse bestimmen können.

Im Strafrecht befasste sich meine Masterarbeit mit der strafrechtlichen Erfassung vorverlagerter Stadien der Tatbegehung, nämlich Verabredung, Vorbereitung und Versuch, in einer Rechtsvergleichung zwischen den Niederlanden und Deutschland. Meine aktuelle Forschung (im Rahmen meines Bachelorstudiums in französischer Sprache und Kultur) nimmt einen anderen Blickwinkel ein: wie die französische, deutsche und italienische Fassung von Artikel 190 des Schweizerischen Strafgesetzbuches die notion du consentement linguistisch konstruiert. Dasselbe Gesetz, drei Sprachen, drei Konstruktionen derselben Rechtswirklichkeit.

Und dennoch wird Rechtssprache selten mit derselben Sorgfalt untersucht wie juristisches Denken. Eine schlecht übersetzte Zeugenaussage, ein mehrdeutiger gesetzlicher Begriff, eine Zustimmungsregelung, die auf Französisch anders klingt als auf Deutsch - das sind keine Randprobleme. Das ist der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und ihrer Abwesenheit.

Dieser vergleichende Ansatz ist entscheidend, weil Rechtssprache niemals rein deskriptiv ist. Sie konstruiert Wirklichkeit, weist Verantwortung zu und bestimmt, wer gehört wird - und wer nicht.

Forschungsschwerpunkte

Zustimmung & Sprache

Wie die rechtliche Bedeutung von "Ja" und "Nein" je nach Rechtssystem und Sprache variiert, und warum diese Variation in Strafverfahren entscheidend ist.

Mehrsprachige & vergleichende Analyse

Schwerpunkt auf Niederländisch, Französisch und Deutsch. Untersuchung, wie dieselben Rechtsbegriffe in verschiedenen Sprachen, Rechtssystemen und Rechtsordnungen unterschiedlich konstruiert werden.

Strafverfahren
Die Rolle der Sprache bei der Konstruktion von Schuld, Unschuld und Glaubwürdigkeit, von Polizeiverhören bis zu Gerichtsaussagen.

Übersetzung & Gerechtigkeit
Was passiert, wenn rechtliche Bedeutung in der Übersetzung verloren geht, oder verzerrt wird, und die Folgen für Angeklagte und Opfer.

Jurilinguistik
Das Forschungsfeld an der Schnittstelle von Linguistik und Recht; Rechtssprache als lebendiges, folgenreiches System.

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